|
Unsere
Tanzgruppe beim „Internationale Folkloretage 2010“ im „Goldenen“
Prag
von
Elvira Schuba
Die
Sorbische Volkstanzgruppe Zeißig vertrat die Sorben zu den
Internationalen Folkloretagen Prag 2010 vom 29.07.2010 bis 01.08.2010,
organisiert von Prager Touristikunternehmen. Unsere Teilnahme wurde von
Gabriela Linack schon seit vergangenem Jahr vorbereitet. So hieß es am
Donnerstagvormittag bei Sonnenschein gut gelaunt und vorbereitet in den
Bus zu steigen. Prag empfing uns unterkühlt und regnerisch. Zunächst
bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „IRIS“, das in seinem Inneren das
Stadion von Sparda Prag beherbergt. Das beeindruckte natürlich besonders
unsere Männer. Neben uns wohnten noch weitere Tanzgruppen und eine große
Gruppe Schachspieler im Hotel.
Während
der Vorbereitungen auf die Reise erfuhren wir, dass unsere befreundete
Siebenbürgisch- sächsische Tanzgruppe aus Herzogenaurach ebenfalls am
Festival teilnehmen sollte. Manch einer wird sich an die gemeinsamen
ausgelassenen Tänze unserer beiden Tanzgruppen anlässlich des Hoffestes
2007 in Zeißig erinnern. Gabriela organisierte deren Unterbringung in
unserem Hotel. Viele von uns pflegen freundschaftliche Kontakte mit
Mitgliedern der Tanzgruppe, und wir freuten uns auf ein Wiedersehen.
Nachdem sie endlich spät am Abend eingetroffen waren und von uns
willkommen geheißen wurden, blieb uns noch ein wenig Zeit für herzliche
Stunden miteinander.
Am
Freitag warteten zwei Auftritte verteilt über den Tag auf uns. Gemeinsam
mit der Tanzgruppe aus Herzogenaurach fuhren wir am Vormittag mit unserem
Bus, begleitet von unserer Dolmetscherin Jana, zum Wenzelsplatz, auf dem
unsere Freunde ihren ersten Auftritt absolvierten. Wir liefen weiter zum
Altstädter Ring, auf dem unser erster Auftritt stattfinden sollte. Der
Platz war mit Touristen gut gefüllt. Ständig mussten wir verharren.
Immer wieder wurden wir um ein Foto gebeten. Wir sprachen mit Menschen aus
aller Herren Länder- mit Studenten aus Peru, Israeliten, Arabern und
besonders interessierten Japanern.
Dann
war es soweit. Nach einer Tanzgruppe aus England standen wir auf der Bühne.
Die Moderatorin stellte jede Gruppe in zahlreichen Sprachen und Brigitta
Schramm stellte uns und unsere Tänze kurz auf tschechisch vor. Nach
unserem halbstündigen Programm waren wir glücklich über den Beifall und
dass die Sonne sich während des Auftritts nur vorsichtig gezeigt hatte.
Nun
war es Zeit, uns zu stärken. Die zahlreichen Restaurants rund um den
Platz luden dazu ein. Danach hatten wir ein wenig Gelegenheit, uns den
Altstadtkern anzusehen, ein wenig zu bummeln oder sich auf ein Rad mit
sechs Satteln zu setzen und uns von einem jungen „Rikschafahrer“ durch
die schöne Altstadt fahren zu lassen. Als er erfuhr, dass wir aus der
Lausitz kommen, war seine Freude groß. Als Student war er für einige
Wochen bei der Domowina in Bautzen zu Gast gewesen. Wir mussten Grüße
mit nach Hause nehmen, und er dankte mit einer sachkundigen Stadtführung
so ganz nebenbei.
Nun
war es Zeit für unseren zweiten Auftritt auf dem Platz der Republik.
Diesmal waren unter den Zuschauern auch unsere Freunde, die sehr auf
unsere neueren Tänze gespannt waren. Wir durften uns wieder über viel
Beifall freuen und verabschiedeten uns dann bald, um uns vor unserer
gemeinsamen Moldaufahrt noch schnell im Hotel umzuziehen und ein wenig
frisch zu machen.
Auf
der schönen Moldau erwartete uns dann ein Schwedisches Buffet, das wir
uns mit viel Geduld und langem Anstehen erarbeiten mussten. Langsam wurde
es dunkel. Da Klara es gut mit uns meinte, entflohen nach und nach fast
alle dem warmen Innendeck aufs kühle Oberdeck. Den malerischen Anblick
des Hradschin genossen wir bei gemeinsamem Gesang.
Am
Samstag stand nur der Umzug auf unserem offiziellen Programm. Also hatten
wir Zeit, den Hradschin zu besuchen. Auf den geplanten Dombesuch mussten
wir verzichten, denn dass Folklorefest hatte zahlreiche Touristen
angelockt. Eine Wartezeit von bis zu zwei Stunden war für uns doch zu
lang, denn zum Mittagstisch wurden wir wieder am Altstädter Ring
erwartet. So genossen wir ganz individuell die schönen eindruckvollen
Bauten der „größten Burganlage der Welt“, sahen der Wachablösung zu
oder nahmen an einer der kleineren Führungen teil. Der Umzug begann 15:00
Uhr. Zum Glück waren wir schon die 9. Gruppe der 56 meist europäischen
Gruppen, die das Festival gestaltet hatten. Wir mussten den vielen
interessierten Zuschauern viele Fragen beantworten und unter anderem erklären,
dass wir in Deutschland lebenden Sorben Slawen sind, aber keinen eigenen
Staat haben. Jede Gruppe wurde wortreich vorgestellt. Manche erfreuten die
Zuschauer an jeder Straßenecke mit ihren Darbietungen, so dass der ganze
Zug ins Stocken kam. So konnten wir über zwei Stunden die wartenden
Gruppen bestaunen, nachdem unser Umzug längst beendet war.
Der
Auftritt der Herzogenauracher Tanzgruppe verschob sich so um eine Stunde
auf 19:00 Uhr, und wir mussten auf den geplanten gemeinsamen Tanz auf der
Bühne verzichten. Den holten wir aber auf dem Weg zu unserem Bus nach.
Vom Akkordeon begleitet sangen und tanzten wir auf der Straße. Bei der
„Annemarie“ mischten sich schnell Passanten und Mitglieder anderer
Gruppen in unseren Kreis und es gab einen lustigen Reigen.
In
den Folkloregarten außerhalb der Stadt kamen wir so zum Abendbrot gerade
noch zurecht. Etwa 20 Gruppen saßen beieinander, um sich mit ihren
Darbietungen zu erfreuen, gemeinsam auf der kleinen Bühne zu tanzen, sich
kennen zu lernen und auszutauschen. Das wäre eine schöne Sache gewesen,
wenn nicht die russischen Folkloregruppen es mit Umfang und Lautstärke
etwas ernst genommen hätten. So flüchteten viele von uns nach draußen
und beschlossen auf und neben der Freilichtbühne den Abend mit Tanz und
Unterhaltung.
Am
Sonntag reisten wir schon am Vormittag ab. Gemütlich ging es Richtung
Heimat. Elisabeth Wermter aus Tübingen, die die Reise mit uns bei einem
Preisausschreiben der Domowina gewonnen hatte, verabschiedete sich überglücklich
und dankbar von uns. „Diese vielen schönen Eindrücke und Erlebnisse
muss ich erst einmal verarbeiten“, sagte sie.

Auf diesem Wege möchten wir uns herzlich bei der Domowina bedanken, die
wieder die Buskosten übernahm. Dank auch an unseren jungen Busfahrer
Jens, der uns geduldig, freundlich und sicher zu allen Orten
hinchauffierte und zu vielen Orten in Prag etwas zu sagen wusste, die wir
gerade passierten.
|