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Landestrachtenfest
in Lüchow/Wendland vom 22. bis 24.08.2008
von
Gabriela Linack
Als
wir am Freitag, dem 22.08.08 nachmittags in den Bus stiegen und zu unserem
nächsten Auftritt nach Lüchow (Niedersachsen) fuhren, war unserer
Tanzlehrerin Helga ein wenig mulmig ums
Herz. Denn unter ihnen waren auch unsere neuen Paare und sie mussten dort
alle drei Auftritte
zu einhundert Prozent mittanzen. Wir wollten dort ja nicht nur die
einfachen Tänze, sondern wie von uns
gewohnt, ein anspruchsvolles Programm zeigen. Hoch zu bewerten ist auch
das Engagement von Jörg Forche, der am Freitag arbeitsbedingt nicht frei
bekommen hat und deshalb mit seiner Freundin Isabell Petko (Foto) erst am
nächsten Tag mit dem eigenen PKW angereist ist. Ausgerechnet an diesem
Augustwochenende war gerade hier in Sachsen Schuleingang, deshalb hatten
einige von den anderen Tanzpaaren anderweitige Verpflichtungen, andere
wiederum konnten aus Krankheitsgründen nicht teilnehmen. Absagen wollten
wir aber auch nicht, schließlich wurde die Zeißiger Tanzgruppe von der
Domowina Bautzen zur Teilnahme am Trachtenfest delegiert.
Je
näher wir dem romantischen Fachwerkstädtchen kamen,
um so mehr erinnerte uns die Region an unsere Heimat. Auch das Wendland
ist eine Heide- und Waldlandschaft. Es gibt noch eine weitere
Gemeinsamkeit. Auch die Nachkommen der Wendländer gehören genau wie wir
Sorben zu jenen elbslawischen Stämmen, die ab dem 6. Jahrhundert in das
Gebiet zwischen Oder und Elbe/Saale einwanderten (Lüchow liegt im südlichen
Teil des Landkreises Lüchow-Dannenberg).
Fast 40 Tanz- und Trachtengruppen aus allen Teilen Niedersachsens und
ihren ausländischen Partnerstädten haben die Stadt Lüchow am 23. und
24. August 2008 in ein buntes Farbenmeer verwandelt. Denn an diesen Tagen
organisierte der Landestrachtenverband Niedersachsen aus Anlass der
850-Jahrfeier der Stadt ein Trachtenfest. Geboten wurde ein buntes
Programm aus Musik, Tanz, Trachten und Volksbräuchen auf zwei Bühnen der
Stadt. Und wir Zeißiger mittendrin. Faszinierend die Vielfältigkeit des
Brauchtums, aus den beteiligten Regionen, wie die überlieferten Tänze,
die wertvollen liebevoll gepflegten alten Trachten, Volkslieder, Sitten
und die Heimatsprache, besonders der
plattdeutsche Dialekt.
Samstag
Mittag empfing uns dort Herr Dr. Karl Kowalewski, ein Freund der Sorben.
Schon viele Jahre hat er engen Kontakt zur Domowina in Bautzen,
insbesondere mit Herrn Sroka. Er freute sich besonders wieder eine
sorbische Gruppe zu sehen. In seiner Begrüßungsansprache hob er
bewundernd hervor, dass wir Sorben in der Lausitz, über Jahrhunderte
hinweg als das kleinste slawische Volk, seine nationalen Eigenheiten bis
heute bewahrt haben. Er weiß, dass das nur dem Überlebenswillen unseres
kleinen Volkes zu verdanken ist, dass die Lausitz heute noch zweisprachig
ist und Leben und Kultur hier reicher sind, als anders wo.
Gleich zwei Auftritte hatten wir am
Samstag vor uns, um 14.00 und 18.00 Uhr. An unserer
Bühne "Am Amtsturm" hatten wir direkten Kontakt zum Publikum.
Unsere temperamentvollen Tänze sind auch gut angekommen und unsere neuen
Tanzpaare haben ihre ersten öffentlichen Auftritte mit Bravour
gemeistert. Wir alle sind stolz auf sie.
Wir
staunten nicht schlecht, als nach unserem Programm eine Tanzgruppe
auftrat, deren Gesichter uns bekannt vorkamen. Richtig, das war die Wendländische
VTG, die im vorigen Jahr bei uns in Zeißig zu Gast war. Natürlich haben
wir uns spontan zu einem gemeinsamen Abend verabredet. Beim gemütlichen
Beisammensein wurde Erinnerungen wach und gleich neue
Kontakte geknüpft.
Der
Sonntag begann für einige von uns mit einem musikalisch geprägten
Gottesdienst unter Mitwirkung des Männerchores Hann. Wendland in der
hiesigen St.-Johannis-Kirche. (Wieder so
ein Zufall, auch wir haben in Hoyerswerda die Johanneskirche.) Die
vollbesetzte Kirche mit Trachtenträgern aus allen Gruppen bot ein fantastisches
Bild. In seiner Predigt
ging der Pfarrer auch auf die Trachten ein. Er sagte, dass man an den
verschiedenen Trachten vieles ablesen
könne, weil die Trachten je nach
Anlass und Stimmung ausgewählt werden.
Nach
dem Gottesdienst hatte ich die Gelegenheit, mit dem Pfarrer zu sprechen.
Er hatte am Samstag den Auftritt der Zeißiger gesehen. Es überraschte
und freute mich sehr, dass er gerade unseren Auftritt und die darin
enthaltene Trachtenvorstellung zum Anlass
für seine Predigt genommen hatte.
Unseren
letzten Auftritt hatten wir um 13.15 Uhr. Sichtlich erleichtert und glücklich,
dass alles gut geklappt hat, traten wir gegen 14.30 Uhr die Heimreise an.
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